Christina Genova

Stadtgeschichten aus St.Gallen

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Glamour toujours

November 1st, 2007 · No Comments · St.Galler Tagblatt

Ausstellung von Eliane Hasenfratz in der Galerie vor der Klostermauer
St. Gallen. Filzstifte und Faserschreiber haben es Eliane Hasenfratz angetan. Seit sie vor acht Jahren ihre erste Fünfer-Packung erstanden hat, ist sie davon nicht mehr losgekommen.

Eliane Hasenfratz, die schon als Kind gerne gezeichnet hat, malt ausschliesslich mit Filzstiften und besitzt mittlerweile etwa 250 Stück davon. In ihrer allerersten Ausstellung lädt die St. Gallerin ein zu «Filzstiftreisen». Der Ausstellungstitel in der Galerie vor der Klostermauer irritiert, macht aber auch neugierig. Filzstifte sind gewöhnlich, alltäglich, gehören in Kinderhände, denkt man. Die Künstlerin belehrt einen eines Besseren: Sie setzt diese Stifte auf eine Art und Weise ein, die kaum vermuten lässt, dass die ausgestellten Arbeiten mit Filzstiften gemalt worden sind.

Jede freie Minute arbeitet sie zu Hause am Küchentisch an ihren Bildern, dem inneren Drang gehorchend, die Muster und Ornamente, die in ihr aufsteigen, auf Papier festzuhalten.

Lustvoll
Zuerst skizziert Eliane Hasenfratz mit Bleistift, danach folgt die Feinarbeit mit den Farben. In stundenlanger Fleissarbeit mischt sie diese untereinander, schichtet sie übereinander, bis sie die gewünschte Farbnuance gefunden hat. Glanz- und Glitzerstifte, aber auch Bonbonfarben verwendet sie häufig. Die St. Gallerin überzieht den matten Alltag mit Farbe, poliert ihn auf und verleiht ihm einen festlichen Anstrich. Alles soll lustvoll sein und Freude bereiten: die Auswahl des Papiers und der Farben, aber auch die Muster.

Diese Freude und Lust spürt, wer ihre Bilder betrachtet. Manche der Muster wirken wie Gewächse aus dem Zauberwald. Sie überziehen mäandernd, sich verflechtend und übereinander türmend das Papier. Andere Bilder scheinen mit ihren üppigen Ornamenten den Märchen aus 1001 Nacht entsprungen. Es sind Abbildungen reicher, innerer Landschaften, Reisen ins Unbewusste, Landkarten der Seele. Manchmal ordnen sich die Ornamente fast symmetrisch, dann wieder gehorchen sie eigenen Gesetzen.

Immer üppiger
Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch das Schaffen der vergangenen acht Jahre. Im Laufe der Zeit wurden die Bilder immer üppiger und grossformatiger. Heute würde Eliane Hasenfratz am liebsten eine ganze Wand oder eine Eingangshalle mit ihren Ornamenten überziehen. Die Künstlerin hat mit ihren Filzstiftbildern eine eigenständige, persönliche Ausdrucksform gefunden, jenseits aller Etiketten des Kunstmarktes. Es sind ungeschliffene Reiseberichte, die vielleicht ein Versprechen sind.

Ausstellung bis 11. November

Erschienen im St. Galler Tagblatt am 01.11.2007

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