Christina Genova

Stadtgeschichten aus St.Gallen

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Altbekanntes und Neuentdecktes

November 24th, 2009 · No Comments · St.Galler Tagblatt

Drei alte bekannte Namen in der Galerie Werkart – Charlotte Hefti, Margaret Kolp und Gerry Züger – und vier Neulinge – Vaclav Elias, Hilda Egle-Keemink, Ralf Fitze und Margaret Niedermann – präsentiert eine Gruppenausstellung.

Von Christina Genova

Die Galeristin Alexandra Oestvold bleibt ihrem Schwerpunkt treu, vor allem lokalen Künstlern Raum zu bieten. Alle sieben Kunstschaffenden stammen aus der Stadt und der Region St. Gallen, eine Künstlerin aus dem Vorarlberg.
Eindrücke und Fundstücke aus ihren letzten Ägyptenferien – altägyptische Bildmotive, arabische Schriftzeichen, Museumstickets und plattgedrückte Getränkedosen – hat die St. Gallerin Charlotte Hefti zu dekorativen Collagen verarbeitet. Die ausgebildete Kunstpädagogin führt in St. Gallen ihr eigenes Malatelier.
Auch Margaret Niedermann, St. Galler Ärztin mit polnischen Wurzeln, zeigt Collagen. Ein fein geädertes Blatt ist Bestandteil von zwei in herbstlichen Farben gestalteten dekorativ-ästhetischen Kompositionen, in eine andere Collage mit dem Titel «Goldene Zeiten» hat sie Ausschnitte aus Zeitschriften integriert.

Schönheitsideale
Ralf Fitze ist Mühlenbauer mit eigener Werkstatt in Oberuzwil. Er ist in der Ausstellung mit männlichen und weiblichen Torsi aus glänzend poliertem Aluminiumblech vertreten. Die eigenwillig geformten, muskulösen Oberkörper sind einzig mit einem kurzen, roten Oberteil bekleidet. Laut dem Künstler symbolisiert es die Bedrohung des Menschen durch äussere Einflüsse wie Körperkult und Kleiderwahn. Dem Mitorganisator der Kunstausstellung «Und» in Oberuzwil geht es in erster Linie darum, den Sinn des Daseins zu ergründen und sich selbst zu finden. Seine Kunstobjekte seien nur Nebenprodukte davon.
Auch Hilda Egle-Keemink setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Schönheitsidealen auseinander. Die Betonskulpturen der im Vorarlbergischen wohnhaften Holländerin entsprechen einem radikal anderen Verständnis von Schönheit als dem bei uns verbreiteten. Die üppigen Frauenfiguren wirken trotz ihrer überbordenden Formen sinnlich und anmutig und erinnern an Niki de St. Phalles Nanas oder an steinzeitliche Muttergöttinnen-Figurinen.

Nüchternen, funktionalen Stoffen, die in der Industrie zum Einsatz kommen, haucht die St. Galler Werklehrerin und Künstlerin Margaret Kolp ein Stück Sinnlichkeit ein. Sie verarbeitet die metallischen Gewebe zu Blüten oder befestigt unterschiedlich strukturierte Stoffe übereinander, so dass je nach Lichteinfall immer wieder neue Effekte entstehen.

Auf blaue folgt rote Phase
«Viele Schichten geben dem Bild eine Seele» – dies ist das Credo von Künstlerin Gerry Züger aus Speicher, die mit Hilda Egle-Keemink die holländischen Wurzeln teilt. In ihren abstrakten Werken trägt sie deshalb mehrere Schichten Öl- oder Acrylfarbe zusammen mit Seiden- oder Pergamentpapier auf, ein Hauch Blattgold darf es manchmal auch sein. Neben Bildern aus ihrer «blauen Phase», zu der sie ein Grönlandaufenthalt inspiriert hat, zeigt sie passend zur Jahreszeit neue Werke aus ihrer «roten Phase», mit Rot, Orange und Aubergine als dominierenden Farben.

Heterogenes Ganzes
Vaclav Elias‘ Spezialität ist der dreidimensionale Raum. Der freischaffende Bühnenbildner und Dekorationsgestalter zeigt Figuren aus Pappmaché. Es sind verlorene, traurige Gestalten, die der St. Galler Künstler, der ursprünglich aus der Tschechoslowakei stammt, präsentiert. Zwei stehen abwesend beisammen, eine dritte breitet ratlos die Hände aus.
Der Galeristin Alexandra Oestvold ist es gelungen, die heterogenen Werke in den Räumlichkeiten der Galerie zu einem harmonischen Ganzen zu fügen. Mit dem einen oder anderen der Kunstschaffenden dürfte es wohl ein Wiedersehen geben. Denn wie die Galeristin schreibt, plant sie, mit den «Neuentdeckungen» in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.

Bis 5.12., Galerie Werkart, Apéro So, 29.11., 12–15 Uhr; Finissage Sa, 5.12., 14–17 Uhr

Erschienen im St.Galler Tagblatt am 24.11.2009

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