Christina Genova

Stadtgeschichten aus St.Gallen

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Der Staub muss weg

November 18th, 2015 · Kathedrale St.Gallen

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Die St. Galler Kathedrale muss mal wieder gründlich geputzt werden. Das Unesco-Weltkulturerbe wird nächstes Jahr für 1,3 Millionen Franken von Dreck und Staub befreit. Auch eine neue Beleuchtung wird eingebaut. 

http://www.srf.ch/sendungen/regionaljournal-ostschweiz/staub-und-dreck-geht-es-an-den-kragen

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Kreative Stadtansichten

Juli 11th, 2011 · St.Galler Tagblatt

Bis Samstag zeigen Absolventinnen und Absolventen der Fachklasse Grafik im Foyer GBS St. Gallen ihre Abschlussarbeiten zum Thema «Stadt». Entstanden sind vor allem Buchprojekte, die sich mit St. Gallen beschäftigen.

Von Christina Genova

Was macht eine Stadt aus? Wie visualisiere ich das typisch Städtische? Elf Absolventen der Fachklasse Grafik setzten sich während zehn Wochen mit solchen und ähnlichen Fragen auseinander und fanden darauf erfrischend kreative Antworten. Sie hatten die Aufgabe, das in vier Jahren Gelernte in einem Abschlussprojekt zum Thema «Stadt» umzusetzen. Obwohl geschult und bestens vertraut mit elektronischen Medien und deren Gestaltungsmöglichkeiten, setzen bis auf eine Ausnahme alle auf das altmodische, aber altbewährte Medium Buch in seiner schönsten von Hand gebundenen Form.

Auf dem Fundbüro
Warum denn in die Ferne schweifen, dachten sich die meisten der angehenden Grafikerinnen und Grafiker und setzten sich mit der Stadt vor ihrer eigenen Haustüre auseinander. Unter dem Titel «lost and found – endende Spuren» beschäftigte sich Vera Brocker mit der typisch städtischen Institution des Fundbüros. 25 Objekte – Spielzeugautos, goldene Uhren, Herrenschuhe und vieles mehr – fotografierte sie im städtischen Fundbüro, katalogisierte sie nach Fundort, Datum und Objektkategorie und ordnete sie einem fiktiven Besitzer zu. Die Fundorte trug sie auf einem Koordinatennetz ein und es erstaunt wenig, dass die meisten Fundgegenstände in der Innenstadt und am Bahnhof verlorengingen.

Bei auffallend vielen Abschlussarbeiten wird gezählt, geordnet und aufgelistet – Kreativität paart sich mit Akribie. Lea Durot sammelte Daten zu Fläche, Stadtteilen, Strassennetz, Höhe, Bevölkerungsdichte und Klima von 24 Städten der Welt, um damit eine visuelle Weltreise zu unternehmen. Nicht die nackten Statistiken interessierten sie, sondern die versteckte Ästhetik der Daten. Sie ordnete die Flächen der Städte nach Grösse und Komplexität oder legte deren Umrisse als Liniengeflecht übereinander, so dass am Ende ein «Experatlas» entstand – ein Atlas der Experimente, wie Lea Durot ihn nennt.

«Utopia» und «Urbane Körper»
Agon Baumann hingegen löste sich mit seiner Abschlussarbeit «Utopia» gänzlich von real existierenden Städten und wandte sich fiktiven Städten aus Film, Literatur und Computerspielen zu. Der angehende Grafiker recherchierte Informationen zu Städten wie Minas Tirith aus Tolkiens «Herr der Ringe», Mega City aus dem Film «The Matrix» und Vault City aus dem Computerspiel «Fallout 2».

Eine weitere verspielt-versponnene Arbeit präsentiert Joël Roth unter dem Titel «Urbane Körper – ein Formenspiel». Mit seinem Skateboard begab er sich auf die Suche nach interessanten dreidimensionalen Objekten in der Stadt. Jedes wurde fotografiert, ausgemessen und der Verwendungszweck, Material und genauer geographischer Standort samt Koordinaten dokumentiert. Am Computer nutzte Joël Roth die gestalterischen Möglichkeiten und zerlegte die Objekte, multiplizierte und verfremdete sie, bis das Ausgangsobjekt kaum oder gar nicht mehr zu erkennen war.

Erschienen im St. Galler Tagblatt vom 27.06.2011

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Seismik des Lesens

Juli 11th, 2011 · St.Galler Tagblatt

Der frühere Leiter der Schule für Gestaltung, Felix Ebneter, zeigt in seiner eben eröffneten Galerie FEe eigene Bilder unter dem Titel «Interpretationen».

Von Christina Genova

Was hält die Welt im Innersten zusammen? Woher wissen wir, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt? Felix Ebneter, der Gestalter, der visuelle Mensch und Ästhet, beschäftigt sich mit Vorliebe mit Erkenntnistheorien und Naturwissenschaften, mit Autoren wie Fred Alan Wolf, Ken Wilber oder Werner Heisenberg. Vielleicht als Ausgleich zu seinem auf den schönen Schein fokussierten Beruf zieht er sich gerne zur vertieften Lektüre zurück in sein Appenzellerhäuschen. Während des Lesens hat er die Angewohnheit, besonders bemerkenswerte Passagen mit Bleistift am Buchrand zu markieren. Diese seismischen Ausschläge, Ausdruck seiner inneren Bewegtheit bei der Lektüre, entstehen durch spontane Bewegungen aus dem Handgelenk heraus.

Corporate Design und Kunst
Felix Ebneter begann, diesen Wegmarken seiner Leseerfahrungen eine eigene Schönheit abzugewinnen. Er, der sich als Gestalter im weitesten Sinne, nicht aber als Künstler versteht, vergrösserte die feinen Bleistiftzeichen in mühseliger, stundenlanger Arbeit am Computer auf das Format A1 und A0 und fügte die entsprechenden Zitate hinzu. Sie stammen alle aus dem Buch «Einstein trifft Picasso und geht mit ihm ins Kino» des Wissenschaftshistorikers Ernst Peter Fischer. Darin untersucht der Autor Parallelen zwischen Kunst und Physik.

Für die Darstellung der Textausschnitte verwendete Felix Ebneter weitgehend selbstentworfene Schriften. Zum einen ist es eine Neuzeichnung der klassischen Times-Schrift, die er «Draft Roman» nennt. Sogar Adrian Frutiger, der berühmte Schweizer Schriftgestalter und Erfinder der Frutiger-Schrift, fand daran Gefallen, als Felix Ebneter ihn vor einiger Zeit besuchte. Felix Ebneter nennt die wahlweise auf Folie oder Plexiglas gedruckten Textinszenierungen «Interpretationen». Er zeigt sie in seinem eigenen Ausstellungsraum, den er im Erdgeschoss seines Ateliers für Corporate Design und visuelle Kommunikation eingerichtet hat. Aber darf man so weit gehen, diese, wie der Gestalter selbst sagt, «völlig absichtslos» entstandenen Markierungen als Interpretationen zu bezeichnen? In der Vergrösserung präsentieren sich die Randzeichen schwungvoll und energiegeladen. Sie wecken unterschiedliche Assoziationen, manche ähneln arabischer Kalligraphie, in anderen glaubt man einen Engel oder eine Tänzerin zu erkennen. «Eigentlich ist es die Umkehrung der Fussnote», meint Ebneter. Die Inszenierung der Zeichen rückt das Zitat als auslösender Moment in den Hintergrund.

Erkenntnisse beim Lesen
Aber führt dies nicht dazu, diesen Randzeichen allzu grosse Bedeutung beizumessen? Was genau gewinnt man durch deren Vergrösserung? Auf jeden Fall wünschte man sich mehr Wechselwirkung zwischen Zeichen und Text, idealerweise deren Verbindung zum Gesamtkunstwerk, wenigstens aber, dass die Inszenierung einem den Zugang zu den nicht immer einfach verständlichen Zitaten erleichtert.

Textinszenierungen machen im besten Falle Lust darauf, sich auf neue Leseabenteuer einzulassen, lesend abzutauchen und sich wider den Zeitgeist auch mal länger als zwanzig Minuten in eine Lektüre zu vertiefen. Felix Ebneters typographische Tafeln hingegen wirken mehr wie eine Spielerei, einen Tick zu versponnen. Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir uns lesend verstanden wissen, wenn uns bei der Lektüre ein Licht aufgeht oder sich uns beim Lesen neue Horizonte eröffnen? Solche Fragen klingen bei Felix Ebneter zwar an, aber Antworten darauf bleiben aus.

Erschienen im St. Galler Tagblatt vom 6.7.2011

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Neue Gärten braucht die Stadt

Juli 11th, 2011 · sg9000

Seit einigen Jahren entstehen in vielen grösseren Städten neue Gärten. Dort pflanzen nicht etwa pensionierte Gartenzwergliebhaber ihr Gemüse an, sondern junge Leute, die gemeinsam mitten in der Stadt ihre urbanen Gartenträume verwirklichen. Auch in St.Gallen scheint die «Urban Gardening» Bewegung erste Wurzeln zu schlagen.

Von Christina Genova

«Möchtest du auch gerne wissen, woher dein Rüebli kommt?» Immer mehr Städter bejahen diese Frage. Die Gretchenfrage stellte Anfang Mai auch die Grüne Partei der Stadt St.Gallen und lud damit zu einem Infoanlass über Vertragslandwirtschaft ein. Dabei geht es darum, mit Bauern aus dem städtischen Umland Abnahmeverträge abzuschliessen, damit diese zu fairen Preisen und einem garantierten Absatz kommen – und die Konsumenten regelmässig zu frischem Gemüse aus der Region. Wer aber nicht nur die Herkunft von seinem Rüebli wissen will, sondern ihm sogar beim Wachsen zuschauen möchte, der muss zu Spaten und Hacke greifen. Und auch dazu sind immer mehr Städter bereit. Es grünt und blüht in den Städten. Balkonkistchen werden nicht mehr mit Geranien, sondern mit Tomaten bepflanzt. Man will nicht nur vorgefertigte Nahrungsmittel kaufen, die von weit her eingeflogen worden sind, sondern etwas mit den eigenen Händen kreieren. Seit wenigen Jahren entstehen in zahlreichen westlichen Grosstädten neue Formen von Gärten. Die «Urban Gardening» Bewegung steht für eine neue Lust am Gärtnern und Selbermachen. Auf städtischen Brachen und in vernachlässigten Quartieren werden Blumen und Gemüse angepflanzt und damit neue Orte der Begegnung geschaffen. Aus den USA kommend erreicht das Urban Gardening über Deutschland langsam aber sicher auch die Schweiz. Vorreiterin ist die Stadt Basel, wo der vor gut einem Jahr gegründete Verein Urban AgriCulture Netz getreu der Devise «local food for local people» bereits zahlreiche Projekte, wie die Bepflanzung von ausrangierten Einkaufswägen mit Gemüsesetzlingen und die Haltung von Bienenvölkern mitten in der Stadt, realisiert hat. Die deutsche Soziologin Christa Müller, die den Trend des urbanen Gärtnerns schon seit über 15 Jahren erforscht und Mitte Mai für einen Vortrag in St.Gallen war, vertritt in ihrem kürzlich erschienenen Buch «Urban Gardening: Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt» die These, dass in westlichen Grossstädten ein neues Verständnis von Urbanität entstehe und dabei die neuen urbanen Gärten eine wichtige Rolle spielen. Als Folge davon würden sich nämlich die Grenzen zwischen Stadt und Land zunehmend verwischen.

Vom Pflanzblätz zum interkulturellen Garten
Gärten in der Stadt gibt es schon lange. Schrebergärten – der Inbegriff von Spiessigkeit -entstanden nach dem zweiten Weltkrieg vielerorts in Europa. Damals hatte fast jede Schweizer Familie ihren Pflanzblätz, um sich mit eigenem Gemüse zu versorgen. Noch heute gibt es in der Stadt St.Gallen 18 Familiengartenanlagen mit etwa 1100 Pächtern. Aber gibt es in St.Gallen auch die neuen urbanen Gärten? Liegt das Gärtnern auch hier im Trend? Fragt man den obersten St.Galler Familiengärtner Niklaus Lötscher, so ist in den St.Galler Familiengärten noch wenig von einem neuen Gartenboom zu spüren – im Gegenteil. In den letzten Jahren hatte man eher mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Jüngst beobachtet Niklaus Lötscher zwar eine Trendwende, dass er von Anfragen junger Leuten überrannt würde, kann er jedoch nicht bestätigen: «Wir kämpfen gegen das hartnäckige Klischee vom Gartenzwergmenschen.» Diese Spezies ist denn auch in den St.Galler Familiengärten noch immer verbreitet. Jürg Tobler, der neue Präsident des Familiengartenvereins Espenmoos, spricht salopp von «Hardcore-Gärtnern», in deren fein säuberlich eingezäuntem Stück Paradies kein Unkräutchen die kleinbürgerliche Idylle stören dürfe. Aber auch in den Familiengärten ist die Zeit nicht stehen geblieben. Vielerorts sind sie parallel zur veränderten Zusammensetzung der Bevölkerung im Quartier in einem schleichenden Prozess zu interkulturellen Gärten geworden. Den Familiengarten St.Fiden könnte man auch als Little Balkania bezeichnen, von vierzehn Parzellen sind lediglich zwei an Schweizer verpachtet. Das Espenmoos hingegen ist beliebt bei Italienern, Spaniern und Portugiesen. Glaubt man Christa Müller, dann werden sich die Familiengärten in den nächsten Jahren weiter wandeln: «Auch in kleineren Städten verändern sich die Gartenkulturen. In den Kleingärten wachsen jüngere Generationen nach, die sich nicht mehr an all die Vorschriften halten und anders gärtnern wollen.» Als grössten Unterschied zwischen den traditionsreichen Familiengärten und den neuen urbanen Gärten bezeichnet Christa Müller, dass jene sich als genuine Bestandteile von Urbanität verstehen, nicht als Alternative zu ihr und erst zuletzt als Ort, an dem man sich von der Stadt erholen will.

Guerilla-Gärtner auf dem Land
Ein anderes Phänomen der «Urban Gardening» Bewegung sind die Guerilla-Gärtner, die kahle städtische Rabatten mit Wildblumen verschönern, ohne lange nach einer Bewilligung zu fragen. Guerilla-Gärtner finden sich bei uns nicht etwa in der Stadt, sondern auf dem Land, im properen Eggersriet. Es sind keine jungen Wilden, die sich da mit illegalen Pflanzaktionen hervortun, sondern gestandene Leute vom links-grünen Forum Eggersriet-Grub SG. Da der Wunsch der Gruppe, im Dorf eine Umweltschutzkommission zu gründen, beim Gemeinderat kein Gehör fand, bepflanzten die Forums-Leute Mitte Mai in einer friedlichen Protestaktion Verkehrsinseln mit Gemüsesetzlingen und einheimischen Blumen.

Aber zurück in die Stadt, wo man auf zwei neuartige und äusserst gegensätzliche Gartenprojekte stösst. Das eine wird an einem Ort betrieben, an dem es kaum jemand vermuten würde. Auf dem ehemals kargen Vordach des eleganten Hotels Radisson baut Jan Brosinsky, Küchenchef des hoteleigenen Restaurants olivé, 50 verschiedene Kräutersorten an. Mittlerweile hegt und pflegt er seine Pflänzchen nicht mehr nur für den Eigengebrauch: Für 20 Franken Jahresbeitrag kann man nämlich Mitglied werden im Kräutergarten Club und während der ganzen Saison nach Lust und Laune Kräuter beziehen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Der andere Garten hingegen befindet sich im St.Galler Agglo-Niemandsland, direkt an der Fürstenlandstrasse. Neben der Aldi-Filiale hat vor drei Monaten eine Gruppe junger Autonomer ein überwuchertes Grundstück besetzt und begonnen, darauf einen Garten anzulegen. Der Besitzer lässt sie vorderhand gewähren, spätestens wenn die Bagger auffahren, ist es mit diesem städtischen Freiraum vorbei. An einem strahlenden Sonntagnachmittag sind dort zwei junge Frauen am Arbeiten, die zurückhaltend aber freundlich Auskunft über ihr Gartenprojekt geben. Durch ein Tor aus trockenen Brombeerranken tritt man ein in das autonome Gartenreich der «Aktion grüner Daumen».Eigentlich ist es schon ein Widerspruch in sich, dass Autonome das grüne Chaos bändigten und Ordnung herrichten, oder nicht? Dieser Garten scheint ein Ort zu sein, um überkommene Vorurteilezu prüfen. Eine der beiden Frauen erklärt, dass entlang der Hauptstrasse bald Sonnenblumen, Kapuzinerkresse, Kornblumen und Stangenbohnen blühen werden. Beete sind angelegt worden und die Salatköpfe wachsen prächtig. Wie die beiden jungen Frauen ausführen, geht es ihnen einerseits darum, den einstigen Schandfleck zu verschönern, gleichzeitig wollen sie aber auch lokales Biogemüse produzieren. «Die wenigsten von uns können sich das teure Biogemüse vom Markt leisten.» Unterstützung erhält man aus der Nachbarschaft. Bereits zweimal, erzählen sie, habe jemand Kistchen mit Setzlingen deponiert. «Autonom heisst für mich selbständig», meint die eine und die andere ergänzt: «Wir arbeiten hier ohne Hierarchien, niemand ist hier der Chef. Jeder kann soviel mitarbeiten, wie er will.» Das ist das Äusserste, was sich die beiden an politischen Statements entlocken lassen. Die Selbstbestimmung und das gemeinsame Arbeiten im Kreise Gleichgesinnter stehen für die Frauen im Vordergrund und beide haben ganz einfach Freude am Gärtnern. Während sie erzählen, ist die eine fast unablässig am Zupfen, die andere dünnt die als kunstvolle Spirale ausgesäten Zwiebelsetzlinge aus und pflanzt die Überzähligen hübsch in Reih und Glied. Auch in einem anarchistischen Garten muss man sich bücken und Unkraut jäten. Geplant ist, im Herbst gemeinsam zu ernten und zu kochen, was in den vergangenen Monaten gesät und herangezogen wurde.

Urbanes Gärtnern, so schreibt Christa Müller, sei in aller Regel soziales Gärtnern, es sei partizipativ und gemeinschaftsorientiert;  der Garten wird als Lern- und Begegnungsort inszeniert und die Nachbarschaft in die Gestaltung einbezogen. Die Soziologin ist davon überzeugt, dass sich das städtische Gärtnern in nicht allzu ferner Zukunft auch finanziell lohnen wird. «Sobald die Nahrungsmittel teurer werden, und damit ist über die Ölkrise in absehbarer Zeit zu rechnen, wird das Gärtnern auch ökonomisch interessant und insgesamt wieder ein breiteres Phänomen werden. Dies wird sich natürlich nicht als erstes in einer reichen Schweizer Kleinstadt wie St. Gallen bemerkbar machen, aber auf die Dauer wird die Entwicklung auch diese Stadt erreichen. Sie werden noch eine völlig andere Welt erleben, da bin ich mir ganz sicher.»

Erschienen im St. Galler Stadtmagazin sg9000 Nr. 2 / 2011

 

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Bilder «on the road»

Juli 11th, 2011 · St.Galler Tagblatt

Der junge Luzerner Künstler Dominik Zietlow stellt seine Fotografien und Kugelschreiberzeichnungen in der Guerilla Galerie an der Jägerstrasse aus. Und er nutzt diese Woche den Raum als offenes Atelier zur Arbeit mit seinem Bildarchiv.

Von Christina Genova

Fotos hat Dominik Zietlow reichlich geschossen, als er im letzten Sommer sechs Tage von New Orleans nach Memphis unterwegs war. Nur erschienen ihm zu Hause die Schnappschüsse plötzlich austauschbar. Denn was bedeuten Ferienfotos noch in einer Zeit, in der wir dank des Internets die Welt per Mausklick auf den Bildschirm holen können? Früher, zu analogen Zeiten, lud man Freunde und Verwandte zum Diaabend und präsentierte die Bilder aus der grossen weiten Welt, die man bereist hatte.

Der Luzerner Künstler Dominik Zietlow, 1988 geboren, thematisiert die Überlagerungen von persönlichen Reiseeindrücken, Ferienfotos und virtuellen Reiseimpressionen an der Vernissage seiner Ausstellung «Fotographien» in der Guerilla Galerie mit einem Diavortrag der besonderen Art. Er wiederholte seine Amerikareise auf Google Street View und zeigte die dabei geschossenen Erinnerungsbilder mit Hilfe zweier Diaprojektoren, die, noch geeicht im Rhythmus einer anderen Zeit, die virtuelle Reisebilder in langsamer Folge projizierten.

Pro Blatt tausend Punkte
Die Guerilla-Galeristinnen Nadia Veronese und Kathrin Dörig folgen in ihrer zweiten Ausstellung an der Jägerstrasse weiter ihrem Konzept, jungen, sich noch in Ausbildung befindlichen Künstlern eine Plattform zu bieten. Dominik Zietlow besucht seit 2009 den Studiengang Medien und Kunst mit Vertiefung Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste. Der Ausstellungstitel «Fotographien» ist kein Schreibfehler, sondern bewusst so gewählt. Darin klingen zum einen die Veränderungen an, welche der Übergang von den analogen Photos zur digitalen Fotografie mit sich brachte; zum andern sind es nicht nur Fotos, sondern auch Graphien – Zeichnungen, Schreibungen im weitesten Sinne, die Zietlow an der Jägerstrasse zeigt.

Ausgangslage für seine Arbeit «11 000 Punkte und 200 Linien» waren ein Kugelschreiber, ein paar Blätter Papier und das Ziel, pro Blatt tausend Punkte oder hundert Linien zu setzen. In je vierzig bis fünfzig Minuten vollster Konzentration entstanden Variationen beziehungsweise Meditationen in Punkten und Linien – dreizehn Blätter mit elfmal tausend Punkten und zweimal hundert Linien. Da sind Punkte, dahin geworfen wie eine Handvoll Staubkörner; dort ein Versuch, in der Tradition der japanischen Kalligraphie, das Enso, den perfekten Kreis, nicht mit Pinsel und Tusche, sondern mit Kugelschreiber-Punkten zu erzielen. Auf einem anderen Blatt sieht man hundert freihändig gezogene Linien, von denen keine die andere berührt. Immer nur so weit denken wie bis zum Setzen des nächsten Punktes oder zum Ziehen der nächsten Linie, zählen und punkten, zählen und ziehen – der Weg ist das Ziel.

Ordnen, sortieren, reflektieren
Das Tempo drosseln, zur Ruhe kommen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – das sind Themen, die Dominik Zietlow beschäftigen. Deshalb nutzt er ab heute eine Woche die Guerilla Galerie als Atelier, um das Bildarchiv auf seiner Festplatte zu entrümpeln. Eine leere Wand, ein Computer und ein Drucker stehen ihm zum «ordnen, sortieren, produzieren, reflektieren und reproduzieren» zur Verfügung; Interessierte sind eingeladen, ihm dabei zuzusehen. Im besten Falle entstehen daraus erwerbbare Editionen und der «Artist in residence» wird zum «Artist in renaissance», wie der Künstler schreibt.

Erschienen im St. Galler Tagblatt vom 11.7.2011

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Altbekanntes und Neuentdecktes

November 24th, 2009 · St.Galler Tagblatt

Drei alte bekannte Namen in der Galerie Werkart – Charlotte Hefti, Margaret Kolp und Gerry Züger – und vier Neulinge – Vaclav Elias, Hilda Egle-Keemink, Ralf Fitze und Margaret Niedermann – präsentiert eine Gruppenausstellung.

Von Christina Genova

Die Galeristin Alexandra Oestvold bleibt ihrem Schwerpunkt treu, vor allem lokalen Künstlern Raum zu bieten. Alle sieben Kunstschaffenden stammen aus der Stadt und der Region St. Gallen, eine Künstlerin aus dem Vorarlberg.
Eindrücke und Fundstücke aus ihren letzten Ägyptenferien – altägyptische Bildmotive, arabische Schriftzeichen, Museumstickets und plattgedrückte Getränkedosen – hat die St. Gallerin Charlotte Hefti zu dekorativen Collagen verarbeitet. Die ausgebildete Kunstpädagogin führt in St. Gallen ihr eigenes Malatelier.
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Das Staunen nie verlernt

November 21st, 2009 · St.Galler Tagblatt

Mit ihren 83 Jahren und einem erfüllten Künstlerinnenleben könnte Ida Kobel sich getrost zurücklehnen – nichts läge ihr ferner, wie die neue Ausstellung zeigt.

Von Christina Genova

Sooft es geht, arbeitet Ida Kobel in ihrem Atelier, das sie sich mit ihrem Mann Fredi teilt. Es gibt so vieles, was sie gerne malen möchte. Eigentlich sollten es in diesem Jahr ja endlich Apfelbäume sein, aber schon ist es wieder Winter: «Wissen Sie, was mir fehlt?», sagt sie, «die Zeit!». «Joie de vivre», Lebensfreude, heisst eines ihrer neuen Werke. Lebensfreude gepaart mit unbändigem Schaffensdrang sind Eigenschaften, welche die Künstlerin auszeichnen.

Mit «Rückblick – Ausblick» zeigt Ida Kobel in ihren Galerieräumlichkeiten an der Rorschacher Strasse 9 einen Querschnitt ihres Schaffens der letzten Jahre, aber auch ganz neue Arbeiten.

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Bilder aus einer fernen Zeit

November 4th, 2009 · St.Galler Tagblatt

In der Galerie vor der Klostermauer zeigt die im Toggenburg lebende und aus Deutschland stammende Susanne Esser zum ersten Mal ihre Werke in St. Gallen.

Von Christina Genova

Auf der vergessenen Insel haben ein paar Jäger und Sammler überlebt. Nichts ahnend vom Segen und Fluch des elektronischen Zeitalters, führen sie noch heute ein archaisches Leben, dasselbe wie vor Jahrtausenden. Damals lebte auch das Urpferd. Golden schimmert sein Fell in der Nacht, majestätisch neigt es sein Haupt. Vor etwa dreissigtausend Jahren wurde es aus Elfenbein geschnitzt.

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Von der Bergwelt geprägt

September 24th, 2009 · St.Galler Tagblatt

In der Galerie vor der Klostermauer sind die Bilder von Benno Meier zu sehen. «Landschaften und Wetter» ist die Ausstellung des Gossauers betitelt, der fast ausschliesslich Himmels- und Bergformationen malt.

Von Christina Genova

Die Berge waren einmal Benno Meiers Leidenschaft. Zehn Jahre lang – von fünfzehn bis fünfundzwanzig – war er aktiver Bergsteiger und -kletterer. Die intensive Zeit in den Bergen hat ihn geprägt und hallt noch heute nach. Es sind Wechselbäder der Gefühle, denen man in der Bergwelt ausgesetzt ist: Auf die Anstrengungen des Aufstiegs folgen die Glücksgefühle bei der Ankunft auf dem Gipfel.

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Blick in die Unendlichkeit

September 10th, 2009 · St.Galler Tagblatt

Im Januar wird das neue Oberstufenzentrum Buechenwald in Gossau eröffnet. Der St.Galler Künstler Alex Hanimann steuert die Kunst am Bau bei. Inspirationsquellen waren Mani Matter, Arvo Pärt – und die Schülerinnen und Schüler.

Von Christina Genova

Ende Januar 2010 ist es so weit: Die ersten Schülerinnen und Schüler werden im neuen Oberstufenzentrum Buechenwald in Gossau ihre neuen Schulzimmer beziehen. Einen der ersten Eindrücke ihres neuen Schulhauses wird ihnen ein Künstler bescheren: Beim nordwestlichen Eingang begrüsst sie Alex Hanimann mit einer künstlerischen Intervention. Diesen Frühling hat er den «Kunst am Bau»-Wettbewerb gewonnen und ist nun seit Frühsommer intensiv daran, das Projekt umzusetzen.

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